Historie

Die Historie der Freiwilligen Feuerwehr Enkheim

 

1924 bis 1999

Vor 1924 bestanden in Bergen und Enkheim nur Pflichtfeuerwehren. Junge Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren wurden zwangsweise zum Feuerwehrdienst abgeordnet. Da die Mitglieder einer auf freiwilliger Basis organisierten Feuerwehr motivierter und damit effektiver arbeiteten und in einigen Nachbargemeinden schon Freiwillige Feuerwehren existierten, wurde in dieser Zeit ver­stärkt für die Gründung von FreiwilligenFeuerwehren geworben.

Am 4. Juni 1924 versammelte sich daher eine „recht stattliche Schar männlicher Einwohner“ im Gasthaus „Zur Sonne“ und gründete ausweislich eines Artikels der Bergen-Enkheimer Zeitung vom Folgetag die Freiwillige Feuerwehr Enkheim. Die seitherige Pflichtfeuerwehr bestand unter Federführung der Freiw. Feuerwehr parallel noch einige Jahre weiter, deren Gerätschaften wurden übernommen.

Zum ersten Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Enkheim wurde der Bäckermeister Heinrich Besier gewählt, der letzte Kommandant der Pflichtfeuerwehr, der Wasserwerkmeister Karl Bingemer, wurde Ehrenkommandant der neugegründeten Freiwilligen Feuerwehr.

Zehn Tage später folgten die Berger dem guten Beispiel und gründeten im Gasthaus „Zum goldenen Engel“ die Freiwillige Feuerwehr Bergen.

Als Gerätehaus wurde eine Garage in der Riedstraße genutzt, die spätere Fahrradwerkstatt Zeh. Um 1930 zog man dann um in zwei Garagen neben der alten Schule am Neuen Weg. Die Ausrüstung wurde ergänzt um eine Magirus-Lafettenspritze für Pferdezug, eine 12m-Magirus-Leiter für Handzug und zwei Hydrantenwagen. 1937 gab es dann das erste motorisierte Fahrzeug, einen gebrauchten schweren Chrysler-Pkw, der als Transport- und Zugfahrzeug hergerichtet wurde.

Einige große Einsätze im ersten Jahrzehnt des Bestehens belegen, daß die Enkheimer mit der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr gut beraten waren.

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Nachfolger von Heinrich Besier
(l.) als Kommandant wurde 1935 Fritz Puth (r.)

Eine außergewöhnliche
Einsatzaufgabe übernahm die Feuerwehr in den 30er Jahren:

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Nach der Beendigung der Eisbewirtschaftung des Riedes durch die Eisfabrik Günther kam es durch die
langsame Verschilfung und Verlandung des Riedes zu einer Veränderung des morgendlichen Kleinklimas. Um während der Blütezeit die Blüten der Obstbäume am Berger Hang vor Frost zu schützen, wurden Feuer in primitiven Öfen entzündet.
Diese Öfen wurden vom Obst- und Gartenbauverein und von der Feuerwehr überwacht und mit Brennstoff versorgt.

Die Kriegszeit brachte der Feuerwehr mit dem Luftschutz zusätzliche Aufgaben. Die Feuerwehr (jetzt als Feuerlöschpolizei bezeichnet) mußte sich an Luftschutzmaßnahmen beteiligen und selbst entsprechende Kurse leiten.

Stark gefordert wurde die Feuerwehr während mehrerer Bombenangriffe auf Bergen-Enkheim, bei Einsätzen in der Stadt Frankfurt, in Steinbach im Taunus und nach dem Großangriff auf die Stadt Hanau am 19. März 1945.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges waren viele Mitglieder gefallen oder noch in Gefangenschaft. Geräte und Ausrüstungsgegenstände waren zerstört und z.T. geplündert. Fritz Steinbrech wurde als kommissarischer Kommandant eingesetzt.

Nachdem Anfang des Jahres 1946 viele Wehrmänner wieder zurückgekehrt waren, wurde der Brandschutz unter Leitung von Mechanikermeister Wilhelm Böff erneut aufgenommen. Die Ausrüstung wurde durch Neuanschaffungen von Geräten und Schutzanzügen ergänzt. In Eigenhilfe wurde der beim Einsatz in Hanau schwer beschädigte Chrysler repariert und umgebaut.

Ein Dodge-Mannschaftswagen der US-Armee wird als zweites Fahrzeug neben dem betagten Chrysler um- und ausgebaut. In einem Tauschgeschäft mit der Gemeinde Ostheim wird der Dodge dann zwei Jahre später gegen ein Löschgruppenfahrzeug LF 15 aus Kriegsproduktion eingetauscht.

Außergewöhnliche Einsätze der Nachkriegszeit waren die Aufräumarbeiten nach einem großen Wolken­bruch am Himmelfahrtstag 1948, als der Straßenbelag des Neuen Weges weggeschwemmt wurde und sich in der Triebstraße auftürmte, und nach dem Erdrutsch Anfang der 60er Jahre unterhalb der evangelischen Kirche.

1955 wird der Ehrenkommandant Fritz Puth vorübergehend wieder zum Ortsbrandmeister gewählt, sein „geschäftsführender“ Stellvertreter wird Herbert Geisel (r.), der dann 1959 Ortsbrandmeister wird.

Die Ausrüstung und der Ausbildungsstand der Wehr wird sukzessive den Anforderungen der stetig wachsenden Gemeinde Bergen-Enkheim und dem Gefahrenpotential der Enkheimer Industriebetriebe angepaßt.

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Die beiden Garagen neben der alten Schule reichen nicht mehr aus, 1960 bezieht die Feuerwehr ein neues Haus im Schulweg (heute Florianweg) gegenüber der Schule am Kirchweg (heute Polizeirevier).

Zur Sicherung des Feuerwehrnachwuchses und der Jugendarbeit wird 1964 eine Jugendfeuerwehr gegründet.

Die Ausrüstung wird systematisch ergänzt und erweitert, 1962 wird das LF 15 aus den Kriegsjahren durch ein neues LF 16 ersetzt, 1967 wird ein zusätzliches Löschgruppenfahrzeug LF 8 beschafft. Gebraucht erworbene kleinere Fahrzeuge werden in Eigenleistung zu Sonderfahrzeugen umgebaut, so verwandelt sich zum Beispiel ein Werkstattwagen der Stadtwerke Bergen- Enkheim in einen Gerätewagen für Hilfeleistungen.

Mit der stärkeren Verbreitung des Telefons in den 60er Jahren und der Installation einer Rundsteueranlage zur Alarmierung im Jahr  1970 wird die Schlagkraft der Wehr deutlich erhöht. Die Fahrzeuge werden mit Funkgeräten ausgerüstet.

Die Einsatzzahlen der Feuerwehr Enkheim steigen kontinuierlich. Anfang der siebziger Jahre sind über 70 Einsätze jährlich zu  bewältigen. Auch die Kameradschaft und Geselligkeit wird gepflegt, berühmt ist das viele Jahre im großen Rahmen gefeierte „Oktoberfest“.

Das hessische Brandschutzhilfeleistungsgesetz bringt den Feuerwehren neue Strukturen. Deutlicher wird nun die Teilung der Wehr zum einen in die Feuerwehr als öffentliche Einrichtung und zum anderen in die Feuerwehr als Verein. Die Enkheimer entschließen sich, beide Teile durch die Klammer der einheitlichen Führung zu verbinden. Feuerwehrausschuß und Vereinsvorstand bilden eine Personalunion. Weiter verlangt das Gesetz bei Existenz von mehreren örtlichen Feuerwehren in einer Gemeinde deren Zusammenfassung unter einer Leitung. Herbert Geisel wird 1972 zum Stadtbrandinspektor von Bergen-Enkheim gewählt.

Ein weiteres Gesetz, das Gesetz zur Erweiterung des Katastrophenschutzes, brachte der Feuerwehr zahlreiche neue Mitglieder für die Einsatzabteilung. Durch die Verpflichtung zum Katastrophenschutz bei der Feuerwehr konnte eine Freistellung vom Wehrdienst erfolgen.

Eine wichtige Ergänzung der Ausrüstung ist die Beschaffung eines Tanklöschfahrzeuges im Jahr 1974. Das 50-jährigeJubiläum wird gemeinsam mit der Feuerwehr Bergen im Rahmen des Berger Marktes gefeiert.

Da das erst 1960 bezogene Gebäude bereits zu klein und zudem durch die Bodenverhältnisse baufällig geworden war, wurde in den Jahren 1975/76 an gleicher Stelle in zwei Bauabschnitten eine neue Feuerwache errichtet. Am 29.9.1976 wurde der gesamte Gebäudekomplex mit zwei Fahrzeughallen, Wasch- und Wartungshalle, Leitstelle, Aufenthaltsraum, Schulungsraum, Sozialräumen und Kellergeschoß sowie zwei Wohnungen und Nebenräumen für die Rettungswache Bergen-Enkheim und den ärztlichen Notdienst der Öffentlichkeit vorgestellt und der Freiwilligen Feuerwehr Enkheim übergeben.

Nach der Eingemeindung der Stadt Bergen-Enkheim am 1.1.1977 nach Frankfurt am Main wurden die beiden Freiwilligen Feuerwehren in Enkheim und Bergen Teil der Freiwilligen Feuerwehr Frankfurt. Zuständig für Brandschutz und Hilfeleistungen ist nun primär die Berufsfeuerwehr Frankfurt. Die Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt werden im Regelfall nur zwischen 18.00 und 6.00 Uhr und am Wochenende oder an Feiertagen alarmiert.

Die Einsatztätigkeit und der Stellenwert unserer Freiwilligen Feuerwehr veränderte sich jedoch kaum. Allein aufgrund der räumlichen Entfernung zur nächsten Wache der Berufsfeuerwehr ist unsere Wehr mit einer Ausrückzeit von 4 bis 5 Minuten ein wichtiger Faktor für die Sicherheit unseres Stadtteils.

Die Ausbildung und Ausrüstung wird nach der Eingemeindung weiter forciert. Das Schulungsangebot einer Großstadtfeuerwehr sichert den Mitgliedern der Einsatzabteilung optimale Ausbildungsmöglichkeiten. Der Geräte- und Fahrzeugbestand wird weiter ausgebaut.

Die Integration in den Verband der Freiwilligen Feuerwehren Frankfurts verläuft reibungslos. Wehrführer Herbert Geisel wird 1981 zum Stellv. Stadtbrandinspektor der Stadt Frankfurt am Main gewählt.

Da die Feuerwehr nicht nur in Notfällen dem Bürger nahestehen soll, wird der „Frühschoppen“ (heute „Sommerfest“) ins Leben gerufen, eine Art „Tag der offenen Tür“, der in jedem Jahr den Bürgern die Möglichkeit gibt, sich von den Aktivitäten unserer Feuerwehr an Hand von Übungen und Vorführungen und – nicht zu vergessen – von schmackhaften Speisen und Getränken zu überzeugen.

Zum Nachfolger des nach gut drei Jahrzehnten als Wehrführer ausscheidenden Herbert Geisel wird 1987 Rolf Schönfeld gewählt.

Im folgenden Jahr werden zusätzlich zwei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes in Enkheim stationiert.

Anfang der 90er Jahre ziehen dunklere Wolken auf. Immer weniger junge Menschen sind bereit, eigene Interessen zurückzustecken und ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr zu leisten. Junge Feuerwehrleute mit Familie finden in Enkheim keine für sie bezahlbare Wohnung und ziehen ins Umland. Der Mitglieder­stand der Einsatzabteilung sinkt.

Die finanzielle Situation der öffentlichen Hand wirkt sich auch auf die Feuerwehren aus, äußerlich erkennbar am Fahrzeugbestand. Von noch sechs Fahrzeugen vor fünf Jahren hat sich der Bestand unserer Wehr auf vier Fahrzeuge reduziert, im Vergleich zur Situation bei anderen Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt ist dies jedoch noch günstig. Fahrzeuge und Geräte sind in gutem Zustand und allen Einsatzanforderungen gewachsen, das Durchschnittsalter unserer Fahrzeuge ist allerdings recht hoch.

Nach dem Auszug der Rettungswache aus dem Feuerwehrgebäude haben wir 1998 das Erdgeschoß der Feuerwache in Eigenregie so umgebaut, daß wir auf die im Obergeschoß gelegenen Räume verzichten konnten. Das Obergeschoß wurde dadurch komplett zur Vermietung frei.

Wenn auch die letzten Passagen vielleicht etwas düster klangen, sehen wir die Zukunft dennoch optimistisch: In den letzen Jahren konnten wir die Einsatzabteilung durch Zugang von neuen Mitgliedern wieder verstärken, und auch die Nachwuchsarbeit wird forciert werden.

Auch in Zukunft werden die Bürger als wichtigen Faktor für die Sicherheit unseres Stadtteils auf die Freiwillige Feuerwehr Enkheim zählen können.

(JG
06.99, aus der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum)


Ab 2000

Der 25 Jahre alte VW-Bus wird 2000 durch ein Ford-MTF ersetzt, zwei Jahre später wird ein 19 Jahre alter Gerätewagen-N(achschub) für den Verpflegungstrupp in Enkheim stationiert.

Nach 15-jähriger Tätigkeit als Wehrführer und Vorsitzender tritt Rolf Schönfeld im Jahr 2002 von seinen Ämtern zurück. Neuer Wehrführer wird Fred Babel, zum Vorsitzenden wird Jürgen Geisel gewählt.

Das 1974 beschaffte Tanklöschfahrzeug (TLF 16), das 30 Jahre gute Dienste leistete und mittlerweile das älteste Einsatzfahrzeug der Frankfurter Feuerwehr war, wurde im Jahr 2004 durch ein neues Löschgruppenfahrzeug (LF 10/6) ersetzt.

Im Februar 2006 werden die Rüstwagen der Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt – und somit auch der Enkheimer RW 1 – von der Branddirektion außer Dienst gestellt. Ein Ersatz ist nicht vorgesehen, die technische Unfallhilfe wird künftig allein durch die Berufsfeuerwehr abgedeckt.

Der 23 Jahre alte Gerätewagen-Nachschub des Verpflegungstrupps wird wegen altersbedingter technischer Mängel im März 2006 stillgelegt und durch ein 25 Jahre altes ähnliches Fahrzeug ersetzt..