Übungen

10.11.2014 Jahresübung: „Feuer über Frankfurts letztem Schlecker-Markt“

Jahresübung: „Feuer über Frankfurts letztem Schlecker-Markt“

Gemeinsame Übung der Enkheimer und der Bad Camberger Feuerwehr

 

Die Drogeriemarktkette „Schlecker“ ist seit gut zwei Jahren insolvent, längst ist das Geschäft abgewickelt. Dennoch gibt‘ s in Frankfurt unverändert eine letzte Filiale. Und dort, genauer in einer Wohnung zwei Stockwerke über dem Drogeriemarkt, ist am vergangenen Samstag ein heftiges Feuer ausgebrochen. Binnen Minuten waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort – der Katastrophenschutzzug der Feuerwehr Bad Camberg, der schnell zwei Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Enkheim nachforderte.
Nur dank des koordinierten Löschangriffs beider Feuerwehren und dank des vollen Einsatzes aller verfügbaren Kräfte der beiden Wehren gelang es rasch, 14 Personen aus dem verqualmten Gebäude zu retten, elf Erwachsene und drei Kinder.
Sehr schnell hatte der Löschzug der Feuerwehr Bad Camberg die Wasserversorgung aufgebaut und mit der Rettung im Gebäude begonnen, während die Enkheimer Feuerwehr an der Rückseite des Gebäudes über mehrere Leitern weitere Personen aus den völlig verqualmten Wohnungen rettete….

Diese Geschichte ist zwar „nur“ ein Übungsszenario, die „Personen“ sind „nur“ mit Sand gefüllte Stoffpuppen in Lebensgröße. Für die Einsatzabteilungen der Enkheimer und der Bad-Camberger Feuerwehren war‘ s definitiv der „längste Tag“ im Jahr. Und zwar nicht nur weil die Stoffpuppen bis zu 80kg auf die Waage bringen, was die Arbeit realistischer werden ließ.
Für ihre gemeinsame Jahresabschlussübung hatten die Enkheimer das sogenannte FRTC, das Feuerwehr- und Rettungstrainingscenter der Frankfurter Feuerwehr reserviert. Dort, wo auch die Berufsfeuerwehr der Stadt aus- und fortgebildet wird, gibt es vielfältige Trainingsmöglichkeiten unter realistischen Bedingungen. Und dort befindet sich die vermutlich letzte verbliebene Schlecker-Filiale in Deutschland. Auch wenn da nichts mehr verkauft wird – und nur geöffnet ist, wenn ein Übungsleiter aufschließt.

Doch begonnen hatte der Tag für manche schon um 6 Uhr früh: die Enkheimer Feuerwehrfrauen bereiteten Frühstück für  die mehr als 50 Feuerwehrleute aus Enkheim und Bad Camberg. Nach der frühen Stärkung ging‘ s für die Einsatzabteilungen auch gleich los mit der ersten Übung: Menschenrettung rund um einen leckgeschlagenen Bahnkesselwagen mit zunächst unklaren Chemikalien an Bord. Die Rettung der drei „verunglückten“ Stoffpuppen kann aber nicht warten und so rücken je ein Trupp der Bad Camberger und der Enkheimer Feuerwehr mit Atemluftflaschen und Schutzmasken vor und schaffen die Puppen aus der weiträumig abgesperrten „Gefahrenzone“.
Später stellt sich heraus: laut der orangefarbenen Gefahrstofftafel am Waggon handelt es sich um Schwefelsäure – ein Fall für den Gerätewagen Gefahrgut der eigens für solche Einsatzlagen ausgerüsteten Bad Camberger Feuerwehr.

Die ziehen ihre grünen Plastik-Spezialanzüge über Atemschutzgerät und Feuerschutzkleidung, sehen aus wie aus einem Katastrophenfilm. Nachdem das Leck am Kesselwagen dicht ist und die Gullys abgedeckt sind, müssen alle beteiligten Feuerwehrleute dekontaminiert werden.
Nach jeder einzelnen Übung gibts eine ausführliche Manöverkritik der Einsatzleiter und der Übungsleitung. Das Fazit aller ist aber positiv – und so kann nach einer kurzen Pause bald die nächste Übung angegangen werden.

Die anspruchsvollste ist dabei auf jeden Fall die mit dem Wohnungsbrand über der Schleckerfiliale. Auch wenn allen klar ist, dass das Ganze nur eine Übung ist, will jeder sein bestes geben. Zwar brennt es nicht wirklich im FRTC der Frankfurter Feuerwehr, aber schon bei der Anfahrt ans Gebäude sehen die Feuerwehrleute dichte weiße Schwaden aus den Fenstern steigen: Rauch.
Was Feuer neben der Hitze so gefährlich macht, lässt sich im FRTC mit Rauchgeneratoren simulieren. Und sorgt bei den Enkheimer und Camberger Feuerwehrleuten für einen ordentlichen Adrenalinschub. Denn klar ist: auch wenn das hier nur Diskonebel ist, die Orientierung im Gebäude ist genauso schwierig wie mit echtem Rauch – und die Suche nach versteckten Dummys lässt sich nur im Kriechgang vollziehen. Hinzu kommt ein wahrer Lärmteppich: das Dröhnen der Aggregate und Fahrzeugmotoren, piepende Geräte, krächzende Funkverbindungen – und eine nur eingeschränkte Möglichkeit, sich selbst zu äußern durch die Atemschutz-Gummimaske hindurch.
Auch für die Fahrzeugführer und Einsatzleiter der Feuerwehren ist die Übung nicht ohne Anspruch – sie müssen beim raschen Vorgehen ihrer Feuerwehrleute Ruhe bewahren, einsatztaktisch klug vorgehen und das Vorgehen ihres Zugs mit dem der jeweils anderen koordinieren. Kein Wunder, dass nach der Übung so manch einer ziemlich verschwitzt aus der Wäsche schaut. Verschwitzt, aber auch zufrieden. Denn das Fazit des Übungsleiters und Enkheimer Wehrführers Holger Feustel fällt auch hier durchaus positiv aus.

Am späten Nachmittag dann ist für alle die Übung beendet. Aufräumen, Rückfahrt zur Feuerwache im Florianweg in Enkheim, umziehen, duschen, Pause machen. Für alle? Nicht wirklich, denn während mehr als 50 Feuerwehrleute aus Enkheim und Bad Camberg die Beine lang machen, kommt eine Sonderaufgabe der Enkheimer Feuerwehr erst so richtig zum Einsatz:  die Verpflegungseinheit.
Und die serviert den mehr als 50 ziemlich glücklichen Feuerwehrleuten ein mehrgängiges Menü: Salate, Kesselgulasch mit Klößen und einen leckeren Nachtisch. Nach mehr als 12 Stunden endet der längste Tag für die Enkheimer Feuerwehr in diesem Jahr mit selbst gemachter Mousse au chocolat und Roter Grütze.

Weitere Fotos in der Galerie von Markus Frömmel

Die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Enkheim trifft sich jeden Donnerstag um 19:30 Uhr zum gemeinsamen Übungsabend. Interessierte sind immer herzlich willkommen!